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AMTS AG - Arzt im Koffer

Quasi aus dem Vakuum-Tiefziehkoffer mit stabilen Aluprofil-Rahmen heraus kann der Arzt das Pflegepersonal vor Ort per Videokonferenz unterstützen.

Arzt im Koffer


Von der modernen Medizin erwartet man erstklassige Versorgung bei jeder denkbaren Erkrankung. Der Aufwand darf aber nicht ins Uferlose wachsen, im Gesundheitswesen sind Sparprogramme angesagt. Eine Hilfestellung zu beidem – optimale Betreuung bei gleichzeitiger Kostenreduzierung – zeichnet sich durch die Nutzung breitbandiger Telekommunikationssysteme ab. Der »Arzt im Koffer« soll dabei die Pflegekraft vor Ort per Videokonferenz unterstützen,in die die aktuellen Gesundheitsdaten des Patienten live einfließen. 

Während die Patientenzahlen in den Krankenhäusern seit Jahrzehnten stetig ansteigen, wird gleichzeitig die stationäre Verweildauer immer kürzer. Folglich wird die häusliche Nachbetreuung immer wichtiger. In Verbindung mit der demografischen Entwicklung, durch die naturgegeben mehr ältere oder chronisch kranke Menschen ebenfalls einer medizinischen Betreuung zu Hause bedürfen, stellt dies das karitative Pflegepersonal vor wachsende Herausforderungen: Letztlich ist es Sache des Arztes, eine Diagnose zu stellen. Mittels mobiler Telekommunikation können alle entscheidenden Daten dafür übermittelt werden. Für seine Entscheidungsfindung kann der Mediziner diese mit den bereits auf einem Patientenportal gespeicherten Werten abgleichen und auf dieser Basis der Pflegekraft vor Ort entsprechende Anweisungen geben. Manche zusätzliche Fahrt eines Arztes zum Patienten lässt sich so einsparen, ohne dass die Qualität der Behandlung darunter leidet.

Durchsetzen wird sich das medizintechnische Telemetrieangebot nur, wenn es die schon jetzt meist unter Zeitdruck zu leistende Arbeit des Pflegepersonals nicht zusätzlich erschwert. Das bedeutet: Derartige Systeme sollen stabil und einfach bedienbar sein und alles Equipment in einem leichten Gerätekoffer vereinigen, der zusätzlich zur Kommunikationstechnik auch das medizinische Zubehör, wie zum Beispiel zur Blutdruckmessung enthält (siehe großes Bild). Außerdem muss schnell und automatisch eine Netzverbindung zur bidirektionalen Kommunikation aufgebaut werden, ohne lange nach einem Platz mit ausreichender Empfangsfeldstärke zu suchen.

Nachfolgend wird eine »TeleHomeCare« genannte Lösung der Firma OSO vorgestellt, die diese Aufgabenstellung komplett erfüllt. Nicht unerheblich waren die Anforderungen, die an das ABS-Gehäusesystem von Santox sowie an die Konstruktion und Fertigung des inneren und äußeren Ausbaus gestellt wurden.

Koffer mit Mehrwert
Im Marktsegment »transportable Gehäuse« speziell für höherwertige Anwendungen finden sich nur recht wenige renommierte Anbieter, die sich voll und ganz auf solche mobilen und dabei ansprechenden Lösungen spezialisiert haben. Ganz besonders gilt dies im Bereich der sogenannten Koffergehäuse. Meist kommen diese aus dem eher schnell- und kurzlebigen Consumerbereich für den Tourismus, was sich bereits an der geringen Materialdicke, dem Oberflächenfinish, den einfachen Rahmen und den »niedrigstpreisigen« Beschlagteilen wie Scharniere und Schlösser widerspiegelt.

Mobile Anwendungen fordern vor allem dann besonderes konstruktives Know-how, wenn sich eigentlich widersprechende Forderungen zu erfüllen sind, wie beispielsweise: äußerst stabile Bauweise bei geringem Gewicht, Robustheit bei gefälligem Design, gut transportabel bei festem Stand während des Betriebs, fein abgestufte, modulare Größenschritte in allen drei Ebenen, optimales Kabelmanagement zwischen Ober- und Unterschale bei großem Öffnungswinkel bis 180°, effektive Kühlung für eingebaute Elektronik oder Rechner und vieles andere mehr. Ein durchdachtes und hochwertiges Baukastensystem von vakuum-tiefgezogenen ABS-Kunststoffkoffern, das sich ganz speziell auf mobile Anwendungen konzentriert, findet man mit dem Typ »S6000« von Santox.

Eine Mannschaft mit fundierter Erfahrung in Messtechnik, im Geräte- und Apparatebau, in ansprechendem, funktionellem Industriedesign und natürlich in der Gehäusekonstruktion sieht das Unternehmen als Garant dafür, dass man die Sprache der Kunden spricht und die Anwendung versteht. Dank dieses Verständnisses lassen sich wertvolle konstruktive Anregungen zur optimalen Anordnung oder Beschaffenheit von Komponenten im Gehäuse bereits im Briefing-Gespräch geben. Der ganzheitliche Beratungsansatz geht auf diese Weise meist weit über die eigentliche Aufgabenstellung hinaus, der im vorliegenden Fall lautete: Finden einer mobilen Gehäuselösung für einen Arzt-Patientendiagnose-Telemetriekoffer.

Umfangreicher Gerätekatalog
Ein bereits detailliert erarbeitetes Pflichtenheft ist eher die Ausnahme, wenn Kunden beim Erstkontakt für eine neue Aufgabe bei Santox vorstellig werden. Was es jedoch immer gibt, sind klare Vorstellungen, wie es nachher funktionieren soll. Im konkreten Fall für das TeleHomeCare gab es dazu zusätzlich die komplette Sammlung der unterschiedlichsten elektronischen, medizinischen und kommunikativen Gerätschaften samt ihrem Zubehör, die für die Lösung der anspruchsvollen Aufgabe eingesetzt werden sollen. Aufgelistet in einem Gerätekatalog sind dies:

  • Ein Tablet-PC mit Netzteil, inklusive einer SIM-Karte für die 3G-Netz-verbindung über eine nach außen verlegte Antenne. Dies garantiert höchste Empfangsfeldstärke, auch unter widrigen Verhältnissen. Neben seinen allgemeinen Steuerungsfunktionen dient das Display auch der Videokonferenz zwischen Arzt und Pflegekraft
  • Eine Digitalkamera übernimmt  einerseits die Funktion als »Webcam« für die Videokonferenz. Darüber hinaus kann sie für Detail- und Zoomansichten per Clipfunktion einfach aus der Design-Frontplatte entnommen werden. Dabei bleibt die Kamera über eine ausgeklügelte Kabelführung mit dem Tablet-PC verbunden. Das ermöglicht die exakte Darstellung aktueller Befunde, wie beispielsweise den Verlauf der Wundheilung.
  • Ein zentraler USB-Hub plus diverse Stecker und Kabel.
  • Komplette medizinische Grundausstattung wie beispielsweise Blutdruck- und Blutzucker-Messsystem, Coagulation-Meter, mobiles EKG, Ampullen, Teststreifen, etc. (siehe Bilder 1 und 2).

Nach dem Briefing-Gespräch galt es, den Gerätekatalog per CAD-Konstruktion zu sortieren und durch das erforderliche Zubehör zu ergänzen: Schalter, Ein- und Ausgangsbuchsen, Zugentlastungen für die Kabel sowie für das Managen der knickfreien Kabelverbindungen zwischen Ober- und Unterschale, stabile Gerätehalterungen, eine ansprechende Design-Frontplatte mit Lüftungsöffnungen für die dahinter platzierten elektronischen Komponenten, maßgeschneiderte Formteile für die medizinischen Gerätschaften, eine scharnierte Abdeckung der Unterschale, die gleichzeitig die Trennung zwischen Kommunikationsoberfläche und Zubehör bildet und manches andere mehr.

Weitere Optimierungen
Der nächste und letzte Schritt war dann die ästhetische und ergonomische Optimierung. Ziel war darüber hinaus, durch kleinstmögliche Abmessungen den leichten Transfer an mehrere Patientenwohnungen pro Tag zu garantieren. Dabei kann der Betrieb vor Ort sowohl über die eingebauten Geräteakkus als auch über ein zentrales Netzkabel zur Versorgung aller Einheiten erfolgen. Letzteres eignet sich beispielsweise auch zum Dienstschluss zum Wiederaufladung der Akkus.

Santox bietet viele zusätzliche Leistungen, die weit über die Konzeption einer Gehäuselösung für den mobilen Einsatz hinausgehen. Beispielsweise sind dies mechanische Bearbeitungen aller Art auf fünf- und siebenachsigen CNC-Bearbeitungszentren, Beschriftung, elektrischer Ausbau, Funktionsprüfung, Rechnerintegration, Beschaffung und Überwachung aller Bauteile eines Komplettsystems, 2D- und 3D-Konstruktion mit Exportfunktion, Herstellung von Kunststoff-Tiefziehteilen und von maßgeschneiderten PE-Schaumstoffteilen (z.B. für die professionelle Unterbringung von Zubehörteilen), Wärmemanagement der Elektronik und maßgeschneiderte Versandverpackung der Gehäusesysteme für den weltweiten Einsatz. Dabei kooperiert Santox auch gezielt mit Netzwerkpartnern bei Leistungen, die über das eigene Portfolio nicht abgedeckt werden.


Veröffentlicht in MEDIZIN+elektronik


Der Autor: 

Peter Hauser ist Gründer des Unternehmens Santox-Industriekoffer und ist im heutigen Unternehmen verantwortlich für Technik und Entwicklung.

SANTOX Gehäuse-Systeme GmbH
Tel. +49 7707 159 29
info@santox.com

Bild 1: Im CAD entstand der erste Entwurf für die Platzierung aller Komponenten

Bild 2: Die fertige Lösung mit Blick auf die medizinischen Geräte; die Kamera für die Videokonferenz bleibt dabei frei und aktiv

Bild 3: Konstruktive Details der Gerätebefestigungen und des Kabelmanagements, die unsichtbar hinter der Oberschalenabdeckung angeordnet sind